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12.01.2018 | Stefanie Starke | Fürstenzell/Passau.

„Das Ziel ist die Ausbildungsreife“

Berufsschule 1 Passau kooperiert mit Mittelschule Fürstenzell in der Förderung leistungsstarker Asylbewerber

Mit dem Flüchtlingszustrom im Jahr 2015 sind auch die großen Herausforderungen gekommen – an vorderster Stelle die Integration in den Arbeitsmarkt, der von zusätzlichen leistungsstarken Kräften durchaus profitieren könnte. „Wir haben viele junge engagierte und lernwillige Asylbewerber und diese gilt es zu fordern, fördern und für unseren Arbeitsmarkt vorzubereiten“, erklärt Heide Freudenstein, Oberstudienrätin an der Staatlichen Berufsschule 1 in Passau ihre Intention hinter dem neuen schulübergreifenden Projekt.



Foto (Stefanie Starke): (v.l.) Fürstenzells Bürgermeister Manfred Hammer, MdL Walter Taubeneder, Schüler Mansour Alswedani, Oberstudienrätin Heide Freudenstein (Berufsschule 1 Passau), Mohamad Khushfa und Mittelschul-Konrektor Josef Höcker.

Bereits seit dem vergangenen Schuljahr kooperiert die Karl-Peter-Obermaier-Berufsschule daher mit der Mittelschule in Fürstenzell – ein bisher einmaliger Zusammenschluss, zu dessen Verlauf und Erfolgschancen sich MdL Walter Taubeneder nun mit den Vertretern beider Schulen ausgetauscht hat. „Wir wollen das Entwicklungspotential begabter Asylbewerber, die in unserer Schule im zweiten Berufsschuljahr stecken, fördern und ihnen mit dem Unterricht in einer Regelklasse, die Möglichkeiten bieten, den Quali abzulegen, um im Arbeitsleben besser Fuß fassen zu können“, so Freudenstein weiter. Die Durchlässigkeit des Bayerischen Bildungssystems sei ihrer Meinung nach ein sehr hohes Gut – „eine Tür, die auch jungen begabten Asylbewerbern und Flüchtlingen offenstehen sollte.“

Bisher war die Kooperation lediglich ein Testballon, der sich jedoch bewährt hat. „Was wir im letzten Jahr gemeinsam begonnen hatten, wollen wir fortführen – nur besser und effizienter“, betont auch Josef Höcker, Konrektor der Mittelschule in Fürstenzell. Seit dem Schuljahr 2017/2018 kommen so nun insgesamt 17 Asylbewerber im Alter zwischen 17 und 21 Jahren aus der Berufsschule in Passau in regelmäßigen Abständen an die Mittelschule in Fürstenzell. „Sie nehmen hier am Regelunterricht teil. Mathe, Deutsch als Zweitsprache, Ethik, Sport, aber auch das praktische Fach Soziales werden bei uns belegt“, erklärt Konrektor Höcker. Es war beiden Schulen ein großes Anliegen die engagierten Schüler nicht erst kurz vor der Prüfungsphase im Frühjahr in den Unterricht einzubinden, sondern bereits zu Schuljahresbeginn. „Ganz abgesehen von dem frühzeitigen Heranführen an die Prüfungen, sind es auch der Kontakt mit den Regelschülern, der gegenseitige Austausch, aber beispielsweise auch die Anerkennung von Tugenden wie Pünktlichkeit, Höflichkeit oder Zuverlässigkeit – den Schülern wird durch den Besuch in der Mittelschule bewusst, dass diese Regeln überall gelten, auch später im Arbeitsleben“, sind sich die Vertreter beider Schulen einig. 

„Das Wissen ist da, nur die Struktur fehlt“ 

Bis 1. März dieses Jahres erfolge die Anmeldung für den Quali – auch für die 17 Asylbewerber aus der Berufsschule, darunter der 19-jährige Mohamad und der 17-jährige Mansour. Beide besuchen in regelmäßigen Abständen den Regelunterricht an der Mittelschule Fürstenzell. „Der Unterricht macht uns Spaß“, bestätigen die jungen Syrer – ihren Abschluss wollen sie auf jeden Fall machen.

„Die Jugendlichen sind teils wirklich begabte Köpfe, die grundsätzlich über das Wissen verfügen, denen jedoch unsere Strukturen der Bildungsvermittlung schlicht nicht geläufig sind“, erklärt Stephan Uhlschmied, Lehrer in einer Klasse mit Wochenpraktikanten aus der Berufsschule. Letztlich wird es in jedem Fall schwer, dass die Jugendlichen den Abschluss erfolgreich absolvieren, auch aufgrund der Sprachbarrieren – „aber alle hängen sich rein und wollen es schaffen, egal ob in Mathe oder beim Kuchenbacken im Kochunterricht“, so Uhlschmied weiter.

Die fruchtbare Kooperation der Schulen soll nach Ansicht beider Schulen in jedem Fall weitergeführt werden.

„Unser Ziel ist es nun, dieses Bildungsprojekt auf sichere Beine zu stellen, auch vor dem Hintergrund, dass unsere Lehrer in einem vernünftigen Rahmen arbeiten können“, betont auch Berufsschul-Schulleiter Eduard Weidenbeck.