Aktuelles

Zur Übersicht | Drucken

29.06.2020 | Stefanie Starke | Bad Füssing.

„Die Öffnung der Thermen hat den Knoten gelöst“

MdL Taubeneder tauscht sich Füssinger Hoteliers

„In diesen Zeiten haben wir gemerkt, wie wichtig es ist, dass wir zusammenstehen und uns austauschen können“, will Christian Holzapfel, Inhaber des Hotel Holzapfel in Bad Füssing, gleich eingangs für die Teilnahme an der Gesprächsrunde unter Hoteliers, gemeinsam mit MdL Walter Taubeneder, Bezirksrätin Cornelia Wasner-Sommer und Hans Meyer von der IHK Niederbayern, danken.

Foto (Stefanie Starke): MdL Taubeneder im Austausch mit Bad Füssinger Hoteliers
Man wolle den Austausch nutzen, um Ungereimtheiten zu den aktuellen Gegebenheiten und Lockerungen im Rahmen der Corona-Pandemie anzusprechen sowie über das weitere Verfahren und Fördermodalitäten zu diskutieren.

„Wir wissen um die Bedeutung der Branche für die gesamte Region, hieran hängt der Großteil unserer Wertschöpfung. Die Menschen kommen aufgrund des besonderen Heilwassers zu uns und daher kann man sagen, mit dem Lockdown hat zwischenzeitlich ‚das Herz der Region‘ aufgehört zu schlagen“, ist sich der Abgeordnete über die Dramatik der Lage bewusst und sichtlich erleichtert, dass nun langsam wieder das Leben nach Bad Füssing zurückkehrt.
„Die letzten Monate waren sehr schwer für uns alle. Die Schließung war ein herber Schlag. Es scheint aber, dass sich mit der Öffnung der Thermen der Knoten gelöst hat und der Betrieb nun langsam wieder anlaufen kann“, so Christian Holzapfel, der die letzten Monate jedoch so schnell nicht vergessen wird: „Wenn man hier die letzten Wochen durch die Räume gegangen ist, dann ist es einem eiskalt über den Rücken gelaufen. Damit muss man sich erstmal abfinden. Das war auch eine mentale Herausforderung.“ Mittlerweile spüre man von Tag zu Tag die Erleichterung, auch bei den Gästen. Damit treten jetzt jedoch neue Herausforderungen in den Vordergrund: „Uns fehlt definitiv der weitere Fahrplan“, beklagt Margareta Haslinger, Geschäftsführerin vom Haslinger Hof. Das Verständnis für den Lockdown sei nachvollziehbar gewesen – „das Verständnis für die Art des Hochfahrens hingegen fehlt mir komplett, denn ohne Plan verlieren wir unsere Gäste.“ Vor allem im Grenzgebiet zu Österreich stehe man vor der großen Herausforderung des wirtschaftlichen Wettkampfs. „Oberösterreich macht massiv Werbung bei uns und profitiert natürlich von schnelleren Lockerungsmaßnahmen“, so Haslinger weiter. Wie auch immer ein Plan aussehen möge, man benötige dringend eine zukunftsweisende Regelung, im steten Bewusstsein, dass man diese im schlimmsten Fall abändern kann und muss. „Unsere Gäste planen nicht ihren Urlaub von heute auf morgen.“
Wichtig sei auch, sich weiter mit den Fachverbänden über das weitere Vorgehen auseinanderzusetzen, will Johannes Richstein von Richstein’s Posthotel anmerken: „Eine wichtige Frage für uns ist zum Beispiel der weitere Umgang mit den sogenannten Face-Shields und ob wir zeitnah weg vom Mund-Nasen-Schutz kommen? Gerade in der Gastronomie wird das über den Sommer sonst wirklich hart.“ Auch bundesweit einheitliche Regelungen wären elementar, um das Verständnis der Gäste zu erfahren. „Wir haben beispielsweise unzählige Anfragen unserer Gäste, wie sich der Umgang mit den Masken im Haus gestaltet und diese Unsicherheit macht uns zu schaffen und sorgt für einen enormen Arbeitsaufwand“, so auch Michael Lealahabumrung vom Hotel Wittelsbach. Die durchschnittliche Auslastung der Hotels liege derzeit deutlich unter 50 Prozent. „Wir merken zwar, dass die Zahlen langsam steigen, aber natürlich bekommen wir die Einbußen deutlich zu spüren.“ Wünschenswert wäre es gewesen, wenn man als Experte seines Gebiets in die jeweiligen Entscheidungen und Planungen zum praxisnahen Hochfahren einbezogen gewesen wäre. „Nicht alle Hotelbetriebe und Thermen können gleich behandelt werden. In Bad Füssing haben wir einfach andere Gegebenheiten als anderswo – schon allein wegen der Klientel der Gäste“, merkt Karl Margraf vom Kurhotel Zink an.

„Für uns Campingplätze gab es zunächst keinerlei Anweisungen. Wir sind komplett untergegangen“, will auch Annalena Köck vom Campingplatz Holmernhof nochmals eine andere Sparte mit einfließen lassen. Und das vor dem Hintergrund, dass man gerade in diesem Bereich sämtlichen Herausforderungen ideal nachkommen könnte. Lediglich die Vorgaben für die Hygienekonzepte seien noch schwammig gehalten: „Natürlich ist man bedacht alles richtig zu machen, aber das fällt schwer, wenn offene Fragen im Raum stehen und sorgt auch für Unsicherheiten beim Gast und beim Personal.“
Überhaupt müsse man sich nach neuen Zielgruppen umsehen. „Unsere bisherigen Stammgäste, die meist zu den Risikogruppen gehören, sind fleißig am Stornieren. Hier müssen wir uns über neue Konzepte Gedanken machen“, merkt Günter Köck vom Thermalresort Köck an. Allerdings wären hier finanzielle Mittel für entsprechende Werbekampagne dringend von Nöten. „Wir müssen uns gemeinsam bemühen, dass die Gäste jetzt wieder in Scharen kommen, indem wir Ängste abbauen.“

Zu den möglichen Fördermodalitäten stand Hans Meyer von der IHK Niederbayern den anwesenden Hoteliers Rede und Antwort. „Auch wir hatten in den vergangenen Wochen einen enormen Andrang sämtlicher wirtschaftlicher Bereiche und waren teils rund um die Uhr im Einsatz“, will er betonen und klärt in diesem Gesprächsrahmen über das neu und frisch aufgelegte Konjunkturpaket auf. „Die Hilfe ist sozusagen ein Anschlussprogramm an die Soforthilfe, teilweise zeitlich überschnitten. Antragsberechtig ist, wer im April und Mai 2020 Umsatzeinbußen von mindestens 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr hatte. Die Förderung selbst gibt es dann für die Monate Juni, Juli und August“, so Meyer. Grob könne gesagt werden, dass die betrieblichen Fixkosten gefördert werden, die man bisher auch für die Soforthilfe ansetzen konnte, mit der Erweiterung für die Ansetzung der Kosten für Azubis und Personalaufwendungen. „Die Beantragung läuft dabei komplett über die Steuerberatung oder auch Wirtschaftsprüfung und ist gedacht, um die Betriebe nicht von heute auf morgen im Stich zu lassen.“

Foto (Stefanie Starke): (v.l.) Hans Meyer (IHK), Annalena Köck (Campingplatz Holmernhof), Bezirksrätin Cornelia Wasner-Sommer, Margareta Haslinger (Haslinger Hof), MdL Walter Taubeneder, Johannes Richstein (Richstein’s Posthotel), Christian Holzapfel (Hotel Holzapfel), Michael Lealahubumrung (Hotel Wittelsbach) und Karl Margraf (Kurhotel Zink).