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07.09.2022 | Christoph Weishäupl | Passau

Wir müssen zurück ins "normale Leben"!

Reise- und Verkehrsbranche benötigt Planungssicherheit für die Wintersaison – Lob für ÖPNV-Rettungsschirm und Kritik an Vollkaskomentalität

Ein leistungsfähiger ÖPNV ist unverzichtbares Rückgrat für die Mobilität der Bevölkerung. Trotz hoher Einnahmeverluste haben die Aufgabenträger des ÖPNV gemeinsam mit den Verkehrsunternehmen ihr Angebot auch in den Hochphasen der Pandemie dauerhaft aufrechterhalten.

Planungsunsicherheit in Richtung Winter und ein Mangel an Busfahrern belastet die Verkehrsunternehmen der Reisebranche
Möglich wurde das unter anderem durch einen umfangreichen ÖPNV-Rettungsschirm von Bund und Ländern, mit dem in den vergangenen beiden Jahren die Ausfälle bei den Fahrgeldeinnahmen ausgeglichen wurden. Gemeinsam mit Manfred Eichberger tauschte sich MdL Walter Taubeneder nun am Ende der Sommerferien zur Lage der Reise- und Verkehrsbranche aus und analysierte die weiteren Notwendigkeiten der Branche.
„Die Sommersaison 2022 lief in den allermeisten Bereichen gut und nahezu auf dem Niveau der Zeit vor Ausbruch der Pandemie“, zeigt Manfred Eichberger, Geschäftsführer der Eichberger Reisen GmbH & Co. KG, sich angesichts der jüngsten Entwicklungen zufrieden. Dennoch blickt er sorgenvoll auf den nahenden Herbst und Winter. „Was die touristischen Fahrten betrifft, ist bislang völlig unklar, was die Wintersaison bringen wird“, kritisiert Eichberger. Dies hat zur Folge, dass bereits jetzt viel Zeit und Geld in die Erstellung von Saisonprogrammen für den Winter 2022/23 investiert werden muss, ohne zu wissen, mit welchen Rahmenbedingungen und ggf. auch Einschränkungen dann zu rechnen sein wird. Für MdL Walter Taubeneder ist derweil klar: „Schließungen und Lockdowns darf es ebenso nicht mehr geben, wie Einschränkungen der individuellen Bewegungs- und Reisefreiheit.“
Auch im laufenden Jahr benötigten die Verkehrsunternehmen finanzielle Unterstützung. Für den Freistaat muss im Jahr 2022 mit pandemiebedingten Mindereinnahmen von bis zu 677 Millionen Euro gerechnet werden. Um eine existenzielle Gefährdung der bayerischen Verkehrsunternehmen zu verhindern, hat die Staatsregierung erst im Juli beschlossen, die bisher verfügbaren Mittel von 43 Millionen Euro um weitere 380 Millionen Euro an zusätzlichen Landesmitteln für den ÖPNV-Rettungsschirm aufzustocken. Für Manfred Eichberger ein sinnvolle und wichtige Maßnahme, die aber keine Dauerlösung darstellen kann. „Wir müssen zurück ins normale Leben!“, so die klare Forderung des Unternehmers. Schließlich sei es weder erstrebenswert noch finanzierbar, wirtschaftliche Unternehmungen auf Dauer mit staatlichen Hilfskonstrukten zu betreiben.
Ähnlich verhalte es sich auch beim 9-Euro-Ticket. Dessen zentraler Mehrwert bestehe darin, dass man erstmals die kleinteilige Tarifsituation in Deutschland überwinden und ein einfaches und flächendeckend gültiges Ticket zur Anwendung bringen konnte. Der Preis sei da weniger entscheidend, meint Eichberger, und ergänzt: „So sehr ich den Wunsch nach einer Fortführung des 9-Euro-Tickets auch verstehen kann, so sehr sehe ich diese Preisvorstellung auch als Ausdruck einer Vollkaskomentalität, die in Deutschland immer mehr verfängt und den Staat vor große finanzielle Probleme zu stellen vermag.“ MdL Walter Taubeneder stimmte dem zu und merkte mit Blick auf das neue Entlastungspaket der Ampel-Regierung an, dass es nun mal nicht genüge, nach dem „Prinzip Gießkanne“ Geld zu verteilen.
Auch von einem weiteren großen Problem unserer Zeit seien die Verkehrsbetriebe stark betroffen: Dem Fach- bzw. Arbeitskräftemangel. So habe man größte Probleme noch eine ausreichende Anzahl an Bus- und Kraftfahrern zu finden, wie Eichberger berichtet. Dies liege einerseits daran, dass die entsprechenden Führerscheine hierzulande extrem teuer sind und ausländische Führerscheine andererseits häufig nicht anerkannt werden. Gerade im Vergleich zum benachbarten Österreich sei die Anerkennung in Deutschland besonders komplex und langwierig, weiß der Unternehmer. Dabei sei der Fahrerbedarf inländisch nicht zu decken und der deutsche ÖPNV in hohem Maße auf Fahrer, beispielsweise aus dem Balkanraum, angewiesen. Der Abgeordnete sicherte zu, sich des Themas anzunehmen und für praktikablere Modelle der Anerkennung und Zulassung zu werben.

Bildunterschrift: MdL Walter Taubeneder (rechts) im Austausch mit Unternehmer Manfred Eichberger (links). – Foto: Christoph Weishäupl